Mercedes-Benz
Ein Lektion in Zell-Teilung
Von Bernd-Wilfried Kiessler, veröffentlicht am 07.11.2010
Die Reichweitenanzeige ist das Wichtigste im einwöchigen Alltagstest der B-Klasse mit Brennstoffzellenantrieb: Wie gebannt starrten die Menschen am Steuer immer wieder auf den im Blickfeld des Fahrers zwischen den beiden großen Rundinstrumenten angezeigten Wert. Auf dem kleinen Bildschirm ist zum einen der Wasserstoffvorrat an Bord ablesbar – unmittelbar nach dem Tanken sind das 3,7 Kilogramm. Der vermindert sich vergleichsweise langsam, während die Reichweite je nach aktueller Geschwindigkeit große Sprünge macht. Manchmal stimmt sie in etwa mit der Wasserstoffmenge überein, sollen also drei Kilogramm noch für 300 Kilometer reichen. Wenig später sind es nur noch reichlich 200 Kilometer, dann nähert sich die Vorhersage wieder sprunghaft der 300er-Grenze an. Offenbar haben die Ingenieure die Messungen in allzu kurze Phasen unterteilt.
Dabei ist der Stand dieses Zeigers entscheidend für jegliche längere Fahrt mit der B-Klasse F-Cell, angesichts von derzeit nicht mehr als sieben Wasserstofftankstellen in Deutschland. Von jener am Stuttgarter Flughafen reicht es bis München und nach Frankfurt, aber nicht mehr zurück. Wehe, wenn dort aus irgendeinem Grund kein Wasserstoff verfügbar ist. Denn die B-Klasse hat keinen Hilfsmotor an Bord, und die Brennstoffzellen verwandeln nur diesen und sonst keinen Energieträger in Strom. Ein herbeigerufener Gelber Engel hat keine Wasserstoffflasche bei sich, und auch eine Steckdose hilft nicht weiter.
Damit ist der entscheidende Kritikpunkt abgearbeitet – die wenigen Zapfsäulen für Wasserstoff ergeben noch lange kein Netz. Der Tankvorgang hingegen ist kein Problem und entspricht in etwa dem Anschluss eines Ventils zur Zufuhr von Auto- oder Erdgas, auch, was die Abrechnung nach Gewicht betrifft. Im Testverlauf war die größte am Stück eingepresste Menge 2,5 Kilogramm, das Kilo zu neun Euro, zum Gesamtpreis von 22,50 Euro. Damit wurden 212 Kilometer gefahren, 1,2 Kilogramm befanden sich noch im Tank – 300 Kilometer Reichweite sind also realistisch im Alltagsbetrieb. Auf 100 Kilometern sind 10,61 Euro Kosten entstanden. Rechnet man die in aktuelle Preise für Superbenzin um, entspricht das einem Verbrauch von 7,8 Liter. Das ist nicht wenig für einen Kompaktvan – welche Vorteile hat man dafür?
Der erste ist ideeller Art: Man ist in einem Pionierfahrzeug unterwegs, das anders ist als alle anderen, kann sich ein wenig wie Berta Benz auf dem Weg nach Pforzheim fühlen. Der zweite Vorteil betrifft die Umwelt – ein Brennstoffzellenfahrzeug stößt nichts als Wasserdampf aus, allerdings so wenig, dass es nicht wie eine Lokomotive sichtbar dampft. Der dritte ist ebenfalls für die Umwelt gut und für den Menschen unmittelbar wahrnehmbar: Die B-Klasse F-Cell arbeitet fast lautlos. Gäbe es nur noch Brennstoffzellenautos, könnte man an innerstädtischen Hauptstraßen wieder ohne Lärm leben.
Im Inneren geht es hingegen nicht lautlos, wohl aber geräuscharm zu. Dreht man den Zündschlüssel, beginnt es rund um einen zu summen, ungeduldig fast. Ein Zeiger, während der Fahrt für die tendenzielle Anzeige des Energieverbrauchs zuständig, springt einen Viertelkreis nach vorn. Jetzt kann es per Druck auf das Gaspedal losgehen, das in diesem Falle besser Strompedal heißen müsste.
Der Wagen setzt sich leise in Bewegung, wie man es schon von Hybridautos kennt, nur dass eben hier niemals ein Verbrennungsmotor zugeschaltet wird. Es lässt sich dahingleiten, aber mit einem kräftigen Tritt aufs Pedal auch jederzeit zügig beschleunigen: Das Drehmoment von 290 Newtonmeter ermöglicht satten Durchzug von der ersten Umdrehung an. Das Geräusch des Motors nimmt bei alledem nicht zu und wird irgendwann durch rollende Reifen und Fahrtwind überlagert.
Dass dieses Auto trotz gefühlt starker Beschleunigung nach der Uhr 11,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 braucht, liegt am Leergewicht von reichlich 1,8 Tonnen. Lediglich 225 Kilogramm können zugeladen werden, weshalb diese B-Klasse nur als Viersitzer ausgelegt ist. Trotz doppeltem Boden unter der Fahrgastzelle ist auch der Gepäckraum von 544 auf 416 Liter geschrumpft. Daimler hat eine kleine Serie von 200 Exemplaren aufgelegt, die von jedem zu leasen sind, dem zwei Jahre lang eine monatliche Rate von 1428 Euro nicht zu viel ist. Schließt man einen Vertrag über drei Jahre, kostet es monatlich 1130 Euro. Spätestens 2015 soll ein F-Cell-Modell kommen, dessen Kosten deutlich näher an die eines vergleichbaren Autos mit Verbrennungsmotor rücken.
Das Auto
Mercedes-Benz B-Klasse F-Cell
Die Fakten
Motor Elektromotor
Leistung 100 kW (136 PS)
Maximales Drehmoment 290 Nm
Höchstgeschwindigkeit 170 km/h
Beschleunigung 0 bis 100 km/h 11,4 s
Abmessungen 4272 mm x 1777 mm x 1596 mm
Kofferraumvolumen 416 Liter
Leergewicht 1734 kg (nach DIN)
Zulässiges Gesamtgewicht 2084 kg
Energieträger Wasserstoff
Tankinhalt 3,7 kg
Reichweite 400 km
Energiewandler PEMFC-Brennstoffzelle (Polymer Electrolyte Membran Fuel Cell)
CO2-Ausstoß 0 g/km (lokal)
Lob und Tadel
In der Wasserstoff-B-Klasse steckt eine Antriebstechnik der Zukunft, die bereits heute funktioniert.
Der Beschleunigungsvorgang ist aufgrund des aus dem Stand anliegenden vollen Drehmoments eine wahre Freude – ganz ohne Abgase.
Nahezu geräuschlos unterwegs zu sein, ist für Passagiere und Passanten gleichermaßen angenehm.
Tanken an der Wasserstoff-Zapfsäule ist beim ersten Mal etwas ungewohnt, klappt aber völlig problemlos.
Wasserstoff ist als Energieträger nur dann eine nachhaltige Lösung, wenn bei seiner Herstellung auf Wind, Sonne oder nachwachsende Rohstoffe zurückgegriffen wird. Als F-Cell wiegt die B-Klasse rund 400 Kilogramm mehr als die Modelle mit Verbrennungsmotor, da könnten die Bremsen gerne etwas fester zupacken.
Die vom Hersteller angegebenen 400 Kilometer Reichweite sind im Stuttgarter Alltagsbetrieb nicht zu schaffen.
Die Pioniertechnologie ist noch immer sehr teuer: Wer das Auto drei Jahre fahren will, zahlt dafür eine Leasingrate von monatlich 1130,50 Euro.
Das Profil
Technik (5/5)
Innovation(5/5)
Umweltschutz(5/5)
Fahrspaß(4/5)
Sicherheit(4/5)
Design (3/5)
Komfort(4/5)
Image(5/5)
Preis/Leistung(1/5)
Flirtfaktor(5/5)
Dabei ist der Stand dieses Zeigers entscheidend für jegliche längere Fahrt mit der B-Klasse F-Cell, angesichts von derzeit nicht mehr als sieben Wasserstofftankstellen in Deutschland. Von jener am Stuttgarter Flughafen reicht es bis München und nach Frankfurt, aber nicht mehr zurück. Wehe, wenn dort aus irgendeinem Grund kein Wasserstoff verfügbar ist. Denn die B-Klasse hat keinen Hilfsmotor an Bord, und die Brennstoffzellen verwandeln nur diesen und sonst keinen Energieträger in Strom. Ein herbeigerufener Gelber Engel hat keine Wasserstoffflasche bei sich, und auch eine Steckdose hilft nicht weiter.
Damit ist der entscheidende Kritikpunkt abgearbeitet – die wenigen Zapfsäulen für Wasserstoff ergeben noch lange kein Netz. Der Tankvorgang hingegen ist kein Problem und entspricht in etwa dem Anschluss eines Ventils zur Zufuhr von Auto- oder Erdgas, auch, was die Abrechnung nach Gewicht betrifft. Im Testverlauf war die größte am Stück eingepresste Menge 2,5 Kilogramm, das Kilo zu neun Euro, zum Gesamtpreis von 22,50 Euro. Damit wurden 212 Kilometer gefahren, 1,2 Kilogramm befanden sich noch im Tank – 300 Kilometer Reichweite sind also realistisch im Alltagsbetrieb. Auf 100 Kilometern sind 10,61 Euro Kosten entstanden. Rechnet man die in aktuelle Preise für Superbenzin um, entspricht das einem Verbrauch von 7,8 Liter. Das ist nicht wenig für einen Kompaktvan – welche Vorteile hat man dafür?
Der erste ist ideeller Art: Man ist in einem Pionierfahrzeug unterwegs, das anders ist als alle anderen, kann sich ein wenig wie Berta Benz auf dem Weg nach Pforzheim fühlen. Der zweite Vorteil betrifft die Umwelt – ein Brennstoffzellenfahrzeug stößt nichts als Wasserdampf aus, allerdings so wenig, dass es nicht wie eine Lokomotive sichtbar dampft. Der dritte ist ebenfalls für die Umwelt gut und für den Menschen unmittelbar wahrnehmbar: Die B-Klasse F-Cell arbeitet fast lautlos. Gäbe es nur noch Brennstoffzellenautos, könnte man an innerstädtischen Hauptstraßen wieder ohne Lärm leben.
Im Inneren geht es hingegen nicht lautlos, wohl aber geräuscharm zu. Dreht man den Zündschlüssel, beginnt es rund um einen zu summen, ungeduldig fast. Ein Zeiger, während der Fahrt für die tendenzielle Anzeige des Energieverbrauchs zuständig, springt einen Viertelkreis nach vorn. Jetzt kann es per Druck auf das Gaspedal losgehen, das in diesem Falle besser Strompedal heißen müsste.
Der Wagen setzt sich leise in Bewegung, wie man es schon von Hybridautos kennt, nur dass eben hier niemals ein Verbrennungsmotor zugeschaltet wird. Es lässt sich dahingleiten, aber mit einem kräftigen Tritt aufs Pedal auch jederzeit zügig beschleunigen: Das Drehmoment von 290 Newtonmeter ermöglicht satten Durchzug von der ersten Umdrehung an. Das Geräusch des Motors nimmt bei alledem nicht zu und wird irgendwann durch rollende Reifen und Fahrtwind überlagert.
Dass dieses Auto trotz gefühlt starker Beschleunigung nach der Uhr 11,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 braucht, liegt am Leergewicht von reichlich 1,8 Tonnen. Lediglich 225 Kilogramm können zugeladen werden, weshalb diese B-Klasse nur als Viersitzer ausgelegt ist. Trotz doppeltem Boden unter der Fahrgastzelle ist auch der Gepäckraum von 544 auf 416 Liter geschrumpft. Daimler hat eine kleine Serie von 200 Exemplaren aufgelegt, die von jedem zu leasen sind, dem zwei Jahre lang eine monatliche Rate von 1428 Euro nicht zu viel ist. Schließt man einen Vertrag über drei Jahre, kostet es monatlich 1130 Euro. Spätestens 2015 soll ein F-Cell-Modell kommen, dessen Kosten deutlich näher an die eines vergleichbaren Autos mit Verbrennungsmotor rücken.
Das Auto
Mercedes-Benz B-Klasse F-Cell
Die Fakten
Motor Elektromotor
Leistung 100 kW (136 PS)
Maximales Drehmoment 290 Nm
Höchstgeschwindigkeit 170 km/h
Beschleunigung 0 bis 100 km/h 11,4 s
Abmessungen 4272 mm x 1777 mm x 1596 mm
Kofferraumvolumen 416 Liter
Leergewicht 1734 kg (nach DIN)
Zulässiges Gesamtgewicht 2084 kg
Energieträger Wasserstoff
Tankinhalt 3,7 kg
Reichweite 400 km
Energiewandler PEMFC-Brennstoffzelle (Polymer Electrolyte Membran Fuel Cell)
CO2-Ausstoß 0 g/km (lokal)
Lob und Tadel
In der Wasserstoff-B-Klasse steckt eine Antriebstechnik der Zukunft, die bereits heute funktioniert.
Der Beschleunigungsvorgang ist aufgrund des aus dem Stand anliegenden vollen Drehmoments eine wahre Freude – ganz ohne Abgase.
Nahezu geräuschlos unterwegs zu sein, ist für Passagiere und Passanten gleichermaßen angenehm.
Tanken an der Wasserstoff-Zapfsäule ist beim ersten Mal etwas ungewohnt, klappt aber völlig problemlos.
Wasserstoff ist als Energieträger nur dann eine nachhaltige Lösung, wenn bei seiner Herstellung auf Wind, Sonne oder nachwachsende Rohstoffe zurückgegriffen wird. Als F-Cell wiegt die B-Klasse rund 400 Kilogramm mehr als die Modelle mit Verbrennungsmotor, da könnten die Bremsen gerne etwas fester zupacken.
Die vom Hersteller angegebenen 400 Kilometer Reichweite sind im Stuttgarter Alltagsbetrieb nicht zu schaffen.
Die Pioniertechnologie ist noch immer sehr teuer: Wer das Auto drei Jahre fahren will, zahlt dafür eine Leasingrate von monatlich 1130,50 Euro.
Das Profil
Technik (5/5)
Innovation(5/5)
Umweltschutz(5/5)
Fahrspaß(4/5)
Sicherheit(4/5)
Design (3/5)
Komfort(4/5)
Image(5/5)
Preis/Leistung(1/5)
Flirtfaktor(5/5)
Veranstaltungen
Finden Sie
Heute können Sie aus 186 Veranstaltungsterminen auswählen
StZ digital
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
Für Abonnenten
Für Käufer
Hier können sie sich über Preise informieren, Abos abschließen oder Einzelexemplare kaufen.


