Chevrole
Oh wie schön ist Florida
Von Paul-Janosch Ersing, veröffentlicht am 21.01.2011
Mit Sack und Pack an den Strand fahren kinderreiche Familien in unseren Breitengraden nicht gerade jeden Tag. Wer den neuen Chevrolet Orlando zum ersten Mal sieht und einen Blick auf die Typenbezeichnung wirft, wird um die Vorstellung dieses Szenarios jedoch kaum herumkommen: Zu sehr verbindet man seinen Namen mit dem ewigen Sonnenschein Floridas. Hinter dem klangvollen Namen der dort gelegenen Stadt versteckt sich aber ein siebensitziges Fahrzeug mit einer etwas eigenwilligen Silhouette und einem überraschend günstigen Preis.
"Der Anblick traditioneller Familien-Vans hat mich inspiriert," sagt Taewan Kim, Designer bei GM-Daewoo in Südkorea. "Viele davon sind kastenförmig und sehr funktional gestaltet. Der Orlando ist halb Van, halb Geländewagen; sein Design soll bestehende Kategorien bewusst durchbrechen." Und tatsächlich: Im Gegensatz zu den in ihrer Grundform eher konservativ gehaltenen Ford Grand C-Max, Mazda 5 und den französischen Van-Vertretern Citroën Grand C4 Picasso, Peugeot 5008 und Renault Grand Scénic sieht der Orlando in etwa so aus wie ein tiefergelegter Geländewagen und kommt auch ohne Schiebetüren daher. Ähnlich hat es die mittlerweile zum Fiat-Konzern gehörende Marke Dodge vor zwei Jahren mit dem etwas längeren Journey gemacht.
Viel Auto für wenig Geld – dieser zugegebenermaßen etwas abgedroschene Spruch passt perfekt zum 4,65 Meter langen Amerikaner aus Südkorea. Mit einem Einstiegspreis von 18990 Euro wird der Orlando das Interesse jener Menschen wecken, die in ihrem Alltag auf ein fürstliches Platzangebot nicht verzichten wollen. Von außen betrachtet wirkt der Orlando aus jedem Blickwinkel bullig, und seine großen Radkästen bieten Platz für Räder mit 16, 17 oder 18 Zoll – je nach Ausstattungsvariante und gewähltem Zubehör.
Der Fahrzeugboden ist pfiffiger Weise so angelegt, dass die drei Sitzreihen wie in einem Kino nach hinten leicht ansteigen. Dabei bleibt die Kopffreiheit selbst in der dritten Reihe recht annehmbar. Kinder in Reihe drei haben zwar eine gute Sicht nach vorn, zur Seite wird sie allerdings durch die ausgesprochen wuchtige hintere Dachsäule leider stark eingeschränkt.
Bei der Gestaltung des Cockpits stellt Chevrolet erneut seine Eigenständigkeit unter Beweis: Die Rundinstrumente stecken auffallend tief in der dunklen Kunststoffverkleidung, Warnleuchten, Kühlmitteltemperatur- und Tankanzeige sowie der kleine Bildschirm des Bordcomputers sitzen dazwischen in übereinanderliegenden Plastikhöhlen. Ein Vorteil der gewöhnungsbedürftigen Anordnung liegt im großzügigen Schattenwurf bei tief stehender Sonne. Nachts wird die Szenerie samt den Schaltern auf der Mittelkonsole in bläuliches Licht getaucht. Das soll nach den Worten Taewan Kims der gesamten Fahrgastzelle "ein hochwertiges und raffiniertes High-Tech-Gefühl" verleihen. Zumindest tut es der Lesbarkeit der Instrumente keinen Abbruch.
Zur Freude aller Hobby-Geheimagenten haben die Chevrolet-Ingenieure ein Detail aus der 2008 erstmals gezeigten Konzeptstudie übernommen: Unter dem Bedienfeld der Radio-Navi-Einheit liegt ein gut verstecktes Fach für allerlei Krimskrams. Je nach gewählter Ausstattung befindet sich darin der Anschluss für den MP3-Spieler, der im Geheimfach vor neugierigen Blicken geschützt ist. Die bei 76 Zentimetern gemessene Ladekante scheint eine heimliche Hommage an die hochbeinige 4x4-Fraktion zu sein und macht das Beladen des Kofferraums mit schweren Gegenständen zur Kraftübung. Für fünf Passagiere bestuhlt passen 458 Liter Gepäck hinein, mit ausgeklappter dritter Sitzreihe sind es lediglich 89 Liter. Stattliche 856 Liter Volumen bis zur Unterkante der Seitenfenster erhält, wer beide hinteren Sitzreihen umklappt.
Zur Markteinführung im März 2011 setzt Chevrolet dem Orlando einen 104 kW (141 PS) starken Otto-Vierzylinder mit 1,8 Liter Hubraum oder ein Zweiliter-Dieseltriebwerk mit 96 kW (130 PS) beziehungsweise 120 kW (163 PS) unter die Haube. In Verbindung mit der sanft schaltenden Sechsstufen-Automatik (Aufpreis 1400 Euro) treibt der stärkere der beiden Selbstzünder den 1,6 Tonnen schweren Siebensitzer ausgesprochen komfortabel an. Die etwas teigige Lenkung erinnert den Fahrer bei flotter Fahrweise verlässlich an Orlando/Florida, sprich: an die Fahreigenschaften mancher amerikanischer Fahrzeuge. Den Amerikanern jedenfalls dürfte dieser Van gefallen. Preisbewussten Europäern wohl auch.
Das Auto
Chevrolet Orlando 1.8 LS
Die Fakten
Motor 1,8-Liter-Benziner, 4 Zylinder
Leistung 104 kW (141 PS) bei 6200 U/min
Maximales Drehmoment 176 Nm bei 3800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 185 km/h
Beschleunigung 0 bis 100 km/h 11,6 s
Getriebe 5-Gang-Schaltgetriebe
Abmessungen 4652 mm x 1836 mm x 1633 mm
Sitze 7
Kofferraumvolumen 89 Liter (hinter 3. Sitzreihe) bis 1487 l (bei umgeklappten Rücksitzen)
Leergewicht 1528 kg
Zuladung maximal 632 kg
Zulässiges Gesamtgewicht 2160 kg
Reifen 215/60 R 16
Verbrauch lt. Hersteller 7,3 l Super
Tankvolumen 64 l
CO2-Ausstoß 172 g/km
Abgasnorm Euro 5
Preis 18990 Euro
Lob und Tadel
Die Form des Chevy-Vans ist nicht alltäglich, damit sticht er aus der Schar seiner Wettbewerber heraus.
Mit dem Geheimfach hinter der Radio-Navigations-Einheit wird vorhandener Raum sinnvoll genutzt.
Selbst wer den 120 kW (163 PS) starken Diesel in der höchsten Ausstattungsvariante LTZ mit Glasschiebedach und Ledersitzen bestellt, wird die Preisgrenze von 30000 Euro nicht durchbrechen.
Das von der Mittelklasselimousine Chevrolet Cruze bekannte Fahrwerk sorgt im großen Orlando auch in engen Kurven für angenehme Stabilität. Teilweise billige Materialien im Innenraum erklären den niedrigen Einstiegspreis.
Die auf Wunsch erhältlichen Ledersitze sind etwas hart und schränken den Komfort spürbar ein.
Zusätzlich zur piepsenden Einparkhilfe
"Der Anblick traditioneller Familien-Vans hat mich inspiriert," sagt Taewan Kim, Designer bei GM-Daewoo in Südkorea. "Viele davon sind kastenförmig und sehr funktional gestaltet. Der Orlando ist halb Van, halb Geländewagen; sein Design soll bestehende Kategorien bewusst durchbrechen." Und tatsächlich: Im Gegensatz zu den in ihrer Grundform eher konservativ gehaltenen Ford Grand C-Max, Mazda 5 und den französischen Van-Vertretern Citroën Grand C4 Picasso, Peugeot 5008 und Renault Grand Scénic sieht der Orlando in etwa so aus wie ein tiefergelegter Geländewagen und kommt auch ohne Schiebetüren daher. Ähnlich hat es die mittlerweile zum Fiat-Konzern gehörende Marke Dodge vor zwei Jahren mit dem etwas längeren Journey gemacht.
Viel Auto für wenig Geld – dieser zugegebenermaßen etwas abgedroschene Spruch passt perfekt zum 4,65 Meter langen Amerikaner aus Südkorea. Mit einem Einstiegspreis von 18990 Euro wird der Orlando das Interesse jener Menschen wecken, die in ihrem Alltag auf ein fürstliches Platzangebot nicht verzichten wollen. Von außen betrachtet wirkt der Orlando aus jedem Blickwinkel bullig, und seine großen Radkästen bieten Platz für Räder mit 16, 17 oder 18 Zoll – je nach Ausstattungsvariante und gewähltem Zubehör.
Der Fahrzeugboden ist pfiffiger Weise so angelegt, dass die drei Sitzreihen wie in einem Kino nach hinten leicht ansteigen. Dabei bleibt die Kopffreiheit selbst in der dritten Reihe recht annehmbar. Kinder in Reihe drei haben zwar eine gute Sicht nach vorn, zur Seite wird sie allerdings durch die ausgesprochen wuchtige hintere Dachsäule leider stark eingeschränkt.
Bei der Gestaltung des Cockpits stellt Chevrolet erneut seine Eigenständigkeit unter Beweis: Die Rundinstrumente stecken auffallend tief in der dunklen Kunststoffverkleidung, Warnleuchten, Kühlmitteltemperatur- und Tankanzeige sowie der kleine Bildschirm des Bordcomputers sitzen dazwischen in übereinanderliegenden Plastikhöhlen. Ein Vorteil der gewöhnungsbedürftigen Anordnung liegt im großzügigen Schattenwurf bei tief stehender Sonne. Nachts wird die Szenerie samt den Schaltern auf der Mittelkonsole in bläuliches Licht getaucht. Das soll nach den Worten Taewan Kims der gesamten Fahrgastzelle "ein hochwertiges und raffiniertes High-Tech-Gefühl" verleihen. Zumindest tut es der Lesbarkeit der Instrumente keinen Abbruch.
Zur Freude aller Hobby-Geheimagenten haben die Chevrolet-Ingenieure ein Detail aus der 2008 erstmals gezeigten Konzeptstudie übernommen: Unter dem Bedienfeld der Radio-Navi-Einheit liegt ein gut verstecktes Fach für allerlei Krimskrams. Je nach gewählter Ausstattung befindet sich darin der Anschluss für den MP3-Spieler, der im Geheimfach vor neugierigen Blicken geschützt ist. Die bei 76 Zentimetern gemessene Ladekante scheint eine heimliche Hommage an die hochbeinige 4x4-Fraktion zu sein und macht das Beladen des Kofferraums mit schweren Gegenständen zur Kraftübung. Für fünf Passagiere bestuhlt passen 458 Liter Gepäck hinein, mit ausgeklappter dritter Sitzreihe sind es lediglich 89 Liter. Stattliche 856 Liter Volumen bis zur Unterkante der Seitenfenster erhält, wer beide hinteren Sitzreihen umklappt.
Zur Markteinführung im März 2011 setzt Chevrolet dem Orlando einen 104 kW (141 PS) starken Otto-Vierzylinder mit 1,8 Liter Hubraum oder ein Zweiliter-Dieseltriebwerk mit 96 kW (130 PS) beziehungsweise 120 kW (163 PS) unter die Haube. In Verbindung mit der sanft schaltenden Sechsstufen-Automatik (Aufpreis 1400 Euro) treibt der stärkere der beiden Selbstzünder den 1,6 Tonnen schweren Siebensitzer ausgesprochen komfortabel an. Die etwas teigige Lenkung erinnert den Fahrer bei flotter Fahrweise verlässlich an Orlando/Florida, sprich: an die Fahreigenschaften mancher amerikanischer Fahrzeuge. Den Amerikanern jedenfalls dürfte dieser Van gefallen. Preisbewussten Europäern wohl auch.
Das Auto
Chevrolet Orlando 1.8 LS
Die Fakten
Motor 1,8-Liter-Benziner, 4 Zylinder
Leistung 104 kW (141 PS) bei 6200 U/min
Maximales Drehmoment 176 Nm bei 3800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 185 km/h
Beschleunigung 0 bis 100 km/h 11,6 s
Getriebe 5-Gang-Schaltgetriebe
Abmessungen 4652 mm x 1836 mm x 1633 mm
Sitze 7
Kofferraumvolumen 89 Liter (hinter 3. Sitzreihe) bis 1487 l (bei umgeklappten Rücksitzen)
Leergewicht 1528 kg
Zuladung maximal 632 kg
Zulässiges Gesamtgewicht 2160 kg
Reifen 215/60 R 16
Verbrauch lt. Hersteller 7,3 l Super
Tankvolumen 64 l
CO2-Ausstoß 172 g/km
Abgasnorm Euro 5
Preis 18990 Euro
Lob und Tadel
Die Form des Chevy-Vans ist nicht alltäglich, damit sticht er aus der Schar seiner Wettbewerber heraus.
Mit dem Geheimfach hinter der Radio-Navigations-Einheit wird vorhandener Raum sinnvoll genutzt.
Selbst wer den 120 kW (163 PS) starken Diesel in der höchsten Ausstattungsvariante LTZ mit Glasschiebedach und Ledersitzen bestellt, wird die Preisgrenze von 30000 Euro nicht durchbrechen.
Das von der Mittelklasselimousine Chevrolet Cruze bekannte Fahrwerk sorgt im großen Orlando auch in engen Kurven für angenehme Stabilität. Teilweise billige Materialien im Innenraum erklären den niedrigen Einstiegspreis.
Die auf Wunsch erhältlichen Ledersitze sind etwas hart und schränken den Komfort spürbar ein.
Zusätzlich zur piepsenden Einparkhilfe
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